Uranus:

vom zwanghaften Rebellen zum freien Menschen

von Brigitte Theler

Liest man die geläufigen Beschreibungen von Wassermännern und anderen Menschen unter starkem Uranus-Einfluss, werden vor allem immer wieder folgende Merkmale hervorgehoben: veränderungsfreudig, innovativ, aufgeschlossen, technikbegeistert, erfinderisch, tolerant, unabhängig, freiheitsliebend, aber auch unberechenbar und wenig bindungswillig. Diese Menschen haben demnach stets die Nase vorn und leben nach ihren eigenen Vorstellungen, unbeirrt von gesellschaftlichen Normen und Regeln.

Doch viele Uranier aus meinem Bekanntenkreis oder aus astrologischen Beratungen wollen so gar nicht in dieses Klischee vom modernen und ausgeknallten Typen passen. Ich kenne beispielsweise nicht wenige höchst veränderungsunwillige und computertechnisch absolut uninteressierte Wassermann-Geborene (mich selbst eingeschlossen!).

Handelt es sich hierbei um Einzelfälle, um uranische (!) Ausnahmen – oder lässt sich die oftmals alles andere als lockere und aufgeschlossene Haltung so mancher Uranier auch astrologisch nachvollziehen? Vielleicht ist es auch mit dem Uranischen selbst so, dass es in seiner ausgereiften Form noch in utopischer Ferne liegt und erst einmal gesellschaftlich und individuell errungen werden muss. Und vielleicht ist die Dringlichkeit dieser Aufgabe noch stärker in den Vordergrund getreten, seit Uranus 1995 in sein eigenes Zeichen Wassermann eingetreten ist.

Überwindung der Gegensätze

Schon der Mythos erzählt uns, dass Uranus, der Herr des Himmels, seiner schöpferischen Kraft freien Lauf liess, indem er sich allabendlich über die Erdmutter Gaia senkte und so zahlreiche Kinder mit ihr zeugte, die aber allesamt zu schrecklichen Monstern und Giganten wurden. Weil sie so gar nicht den geistigen Idealvorstellungen ihres Vaters entsprachen – von dem Lärm, mit dem sie ihn in seiner himmlischen Ruhe störten, einmal ganz abgesehen –, stiess er sie kurzerhand in Gaias Leib zurück. Doch obwohl er die Früchte seiner Schöpferkraft verachtete, drängte es ihn weiterhin, sich Nacht für Nacht mit Gaia zu paaren und seiner schöpferischen Potenz Ausdruck zu verleihen. Diese krasse Mischung aus Kreativität und Zerstörung hatte in ihrem dumpfen Wiederholungsdrang und ihrer rigorosen Ignoranz durchaus zwanghafte Züge. Erst Uranus’ Sohn Saturn setzte dieser Masslosigkeit ein Ende, indem er seinen Vater entmannte – um gleich darauf selber in zwanghafter Angst zu erstarren.

Damit hatten die ewigen Kräfte von Verändern (Uranus) und Bewahren (Saturn) erstmals die Klingen gekreuzt, ein Prozess, der sich seither immer wieder aufs Neue wiederholt. Die wirkliche Befreiung oder das wahre Neue wurde von beiden nicht verwirklicht. Dieser Erfolg ist im Mythos der dritten Generation vorbehalten, indem Jupiter, der Sohn des Saturn, die neue Weltordnung begründete. So wurde das Dritte zum Sinnbild einer lebendigen und neuen Kraft, die aus der Reibung von zwei Gegenpolen hervorgeht und zu einer Synthese führt, die über die Grenzen der bisherigen Polaritäten hinausführt.

Doch bis heute sind Saturn und Uranus, die Gegenpole des Bewahrens und der Veränderung, untrennbar miteinander verbunden – nicht zuletzt im Zeichen Wassermann, welches durch die alte (Saturn) und die neue (Uranus) Herrschaft zugleich von diesen beiden ungleichen Göttern dominiert wird.

Den Widerspruch zwischen irdischer Gebundenheit (Saturn) und geistiger Freiheit (Uranus) empfinden gerade die Wassermänner nicht nur als einen kräfteraubenden Spagat, sondern auch als eine innere Pattsituation, in der man sich leicht verfängt. Die angeborene Fähigkeit, sich leichtfüssig im Geist über Raum und Zeit hinwegzusetzen, während man körperlich Schwere, Erdgebundenheit und Vergänglichkeit spürt, ist eine enorme Herausforderung.

Die Lösung dieser Spannung liegt vor allem in der Überwindung der Gegensätze. Im Entweder-oder ist der Mensch nicht wirklich frei – er bleibt vielmehr unbeweglich, erstarrt und wirkt zwanghaft oder gar dogmatisch. Dagegen liegt die Aufgabe des Wassermännischen (und auch des Wassermannzeitalters) gerade in der Überwindung dieser Spannung, indem Raum für das Paradoxe geschaffen wird, das uns geistige Freiheit und irdische Gebundenheit nicht länger als unvereinbare Gegensätze erleben lässt.

Neue, geistige Räume

Mit der Entdeckung des Planeten Uranus 1781 wurde in der Weite des Weltraums plötzlich etwas sichtbar, das zwar schon immer da war, für das menschliche Auge aber erst mit der Entwicklung von stärkeren Fernrohren offenkundig wurde. Gemäss dem hermetischen Prinzip «wie oben, so unten, wie aussen, so innen» fand diese äussere Entdeckung auch eine innere Entsprechung. Das uranische Prinzip – der Drang nach Individualität und das Streben nach Freiheit – hatte bis dahin im kollektiven Unbewussten der Menschheit geschlummert und drängte nun mit aller Kraft ins Bewusstsein. So, wie die Entdeckung dieses neuen Planeten den bis dahin bekannten Kosmos in seiner Grösse über Nacht verdoppelte, begann der Mensch aus der hierarchischen Ordnung und der saturnalen Enge mittelalterlichen Denkens in neue, geistige Räume aufzubrechen. Auch die gesellschaftlichen Revolutionen dieser Zeit vermittelten den Menschen erstmals ein positives Bewusstsein ihrer eigenen Individualität und eröffneten ihnen neue, bis dahin nie da gewesene Freiheiten.

Doch wenn man bedenkt, dass dieses neue individuell-uranische Bewusstsein und die damit verbundenen Freiheiten uns erst seit etwas mehr als 200 Jahren zur Verfügung stehen, dann sollte sich niemand wundern, dass wir im Umgang mit Uranus noch in den Kinderschuhen stecken oder günstigstenfalls in der Pubertätsphase (ein Lebensabschnitt, für dessen Freiheitsdrang Uranus seinerseits äusserst typisch ist). Doch Freiheit zu haben und mit Freiheit umgehen zu können sind zweierlei Dinge, ebenso wie es einfacher ist zu wissen, wovon man sich befreien will, als wozu.

Wichtige Entwicklungs- und Erneuerungsprozesse vollziehen sich nie von heute auf morgen, sondern meist in mehreren Phasen, wobei die Grenzen fliessend sind. Dieser uranische Umbruch wird im Folgenden anhand von drei unterschiedlichen Manifestationsebenen beschrieben:

  • Zum einen als Transitdynamik beim Einzelnen, im Besonderen seine uranische Krise oder Midlifecrisis in der Zeit, wenn der transitierende Uranus in Opposition zum Geburts-Uranus steht.
  • Zum anderen die Zeiten der gesellschaftlichen Umbrüche.
  • Und schliesslich die uranische Persönlichkeit.

Dabei wird schnell klar, dass das Zwanghafte und die Norm in allen drei Bereichen Teil des uranischen Befreiungsprozesses sind. Dieser durchläuft typischerweise drei Phasen:

  1. Phase: Innere Unruhe und Veränderungsdrang bei gleichzeitig starker äusserer Strukturiertheit und bisweilen auch Sturheit.
  2. Phase: Rebellion gegen den Status quo, Ausbrechen aus der Norm, Negierung von Regeln und oftmals auch Zerstörung bewährter Strukturen.
  3. Phase: Erneuerung, Reifung und Herausbildung des Individuellen jenseits von starrer Norm oder pubertärer Rebellion; verantwortungsbewusste (Saturn) Freiheit (Uranus).

Nachfolgend sollen also die oben genannten drei unterschiedlichen Manifestationsebenen: Uranus-Transit, gesellschaftliche Ebene und uranische Persönlichkeit mittels der drei Phasen aufgelschlüsselt werden.

– 1. Phase –

Der Uranus-Transit

Eines Morgens wachen wir auf, und obwohl alles noch an seinem Platz ist, ist plötzlich nichts mehr in Ordnung. Was bisher reibungslos verlief und stimmig schien, erscheint plötzlich fahl und uninteressant. Wir fühlen uns «neben den Schuhen», sind verunsichert, unzufrieden und spüren den Drang nach Veränderung. Falls es sich dabei um die Midlifecrisis handelt, kündigt sie sich typischerweise dadurch an, dass wir glauben, in ein paar Wochen sei alles wieder wie früher! Zudem bereitet uns die Tatsache, dass wir die Mitte unseres Lebens erreicht haben und die Zeit immer schneller zu laufen scheint, schlaflose Nächte. Der Wunsch, dem Alltagstrott zu entkommen, um nochmals frei und ungebunden zu sein und sich individuell zu verwirklichen, lässt uns Ausschau halten nach neuen Möglichkeiten. Innere Unruhe kommt auf, doch noch besteht keine klare Vorstellung, was wir konkret verändern sollen oder können. Im Kopf wirbeln die Ideen umher, aber äusserlich tut sich vorerst nicht viel, weil es noch an der Bereitschaft fehlt, den aufkeimenden Drang nach individueller Verwirklichung mit allen Konsequenzen umzusetzen und damit unter Umständen auch den erreichten Status, die gesellschaftliche Akzeptanz und sogar wichtige Bindungen aufs Spiel zu setzen.

Gesellschaftliche Ebene

Auf der gesellschaftlichen Ebene entspricht die erste Phase jenen Zeiten, wenn sich die überlieferten und bislang bewährten Ziele, Wertvorstellungen und Denkmodelle als überholt erweisen, kraftlos geworden sind und einer Erneuerung bedürfen. Das gilt für wirtschaftliche und politische Systeme ebenso wie für religiöse Vorstellungen. In der Welt der Wissenschaft spricht man dann von einem Paradigmawechsel. Im Kleineren beobachten wir dies bei den stets wechselnden Stilrichtungen in Kunst und Architektur. In den Übergangsphasen zeigt sich zunächst nur der Zerfall der alten Werte. Die bisherigen Modelle versagen, und es entsteht allmählich eine Kluft zwischen gelehrter Theorie und praktischer Erfahrung. Doch die Repräsentanten der noch vorherrschenden Kräfte danken nicht freiwillig ab, sondern versuchen mit aller Kraft, die Macht aufrechtzuerhalten und das Alte fester zu zementieren.

Neue Ideen, Konzepte und Theorien greifen noch nicht, befremden und werden in ihrer Bedeutung und Tragweite typischerweise verkannt und unterschätzt. Konservative Kräfte erhalten einen letzten Auftrieb und versuchen, durch ihr Pochen auf bislang bewährte Werte die gesellschaftliche Verunsicherung in den Griff zu bekommen. Radikale politische Strömungen entwerfen Feindbilder, die für Missstände und Wertezerfall verantwortlich gemacht werden können. Dennoch ist der neue Geist nicht mehr aufzuhalten und setzt sich – vor allem in der jüngeren Generation – allmählich in den unterschiedlichsten Bereichen durch.

Zwanghafte Exzentriker

Uranier der ersten Phase zeichnen sich durch eine ständige innere Unruhe bei gleichzeitiger äusserlicher Unbeweglichkeit aus. Diese Menschen wirken alles andere als aufgeweckt, experimentierfreudig oder gar modern, sondern bewegen sich häufig in auffallend unpassenden Kontexten, konservieren stur längst überholte Strukturen und zelebrieren damit ihre Andersartigkeit, ohne sich scheinbar um die Reaktionen der Umwelt zu kümmern. Sie zeichnen sich oftmals durch einen Hang zu Eigenbrötlerei und Einseitigkeit aus, den sie der gängigen Strömung entgegenstellen, und wirken dabei häufig äusserst anachronistisch, aber nicht wirklich altmodisch, sondern eben eigenwillig.

Die Uranier dieser Phase sind eher gruppenfeindlich und bisweilen alles andere als tolerant oder sozial eingestellt. Hier findet sich der skurrile Professor oder der eigengesetzliche Diktator ebenso wie weltfremde Weltverbesserer und snobistische Avantgardisten. Doch ihre durchaus faszinierende und souveräne Eigenheit täuscht. Zutiefst ahnen sie, dass sie ihren eigenen Ideen und den daraus folgenden Konsequenzen letztlich nicht vertrauen können, weil sie sich ihrer Identität längst nicht so sicher sind, wie es nach aussen hin scheint.

– 2. Phase –

Der Uranus-Transit

Nachdem nichts mehr ist, wie es einmal war, wird hektisch nach Wegweisern gesucht, die klar anzeigen, wo es langgeht. Bei alledem herrscht stets das Gefühl, dass die Befreiung gleich um die nächste Ecke liegt und man nur noch auf den passenden Moment, die inspirierende Idee warten muss. Viele Möglichkeiten und Alternativen werden ausgedacht oder ausprobiert, aber oftmals als untauglich wieder verworfen, die innere Unruhe wird unerträglich. Zudem führen oftmals vorschnelle Entscheidungen dazu, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Es fällt schwer, zwischen Bewährtem, das bleiben soll, und Überholtem, das zurückgelassen werden muss, zu unterscheiden. Die Ungeduld verleitet zu Fehlleistungen, Aussteigerphantasien kommen auf, manchmal auch die Angst durchzudrehen oder verrückt zu werden. Oft besteht die Hoffnung, dass irgend jemand von aussen kommt und sagt, wo es langgeht, oder wirklich weiss, was gut und richtig ist und wie wir Lebensfreude und Jugend wiederfinden können. Scheinlösungen und Jungbrunnen jeglicher Art werden ausprobiert, vom pubertär agierenden Liebhaber, torschlusspanikartigen Vaterschaftswünschen über die rettende Schönheitsoperation bis hin zum PS-starken Cabrio und dem persönlichen Fitnesstrainer. Die Gefahr, die eigentliche Aufgabe und Herausforderung dieser Zeit zu verfehlen und damit vom Weg der Individuation abzukommen, ist jetzt am grössten.

Gesellschaftliche Ebene

Der allgemeine Wertezerfall schafft Freiräume, die zu innovativen Experimenten und genialen neuen Ideen und Entwicklungen führen, oftmals aber wilde und nur kurzlebige Blüten treiben. Vieles tritt in Erscheinung, aber nur weniges dieser Experimentierphase hat wirklich Bestand. Der Wunsch nach gesellschaftlichem Umbruch und Veränderung und die gleichzeitig noch unklaren Vorstellungen über die neue Richtung machen uns empfänglich für Modeströmungen und Trends, die wir als vermeintliche Lösungen unserer Orientierungslosigkeit orten. So kaufen wir uns ein Handy, surfen im Internet, lassen uns die Nase richten und decken uns mit den gängigen Markenartikeln ein. Die Suche nach Individualität pervertiert vorübergehend zum Normierungszwang. Jeder neue Trend wird sofort adaptiert und verkommt innert Kürze zum Massenphänomen, zu massenhafter Gleichschaltung.

Doch nicht nur die Menschen, sondern auch die Städte verlieren ihr Gesicht, indem beispielsweise die Fussgängerzonen der einzelnen Orte kaum mehr voneinander zu unterscheiden sind. Das Bewusstsein für Unterschiede, die Freude an Eigenarten und die Bedürfnisse des Einzelnen spielen dabei keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Gleichwertigkeit wird mit Gleichheit verwechselt. Das Individuelle wird zwar überall proklamiert, aber nur in Normgrössen und Standardverpackungen angeboten! Und so hoffen wir insgeheim alle auf das baldige Eintreffen der Ausserirdischen, die unserer Orientierungslosigkeit ein Ende setzen und hoffentlich wissen, wo es langgeht nach Utopia!

Orientierungslose Exzentriker

Die Uranier der zweiten Phase entsprechen dem puer aeternus, dem ewigen Jüngling, oder der puella aeterna, dem ewigen Mädchen. – Beides Typen, die bei grösstmöglicher Freiheit möglichst wenig oder besser gar keine Verantwortung übernehmen wollen und nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich ungern Verbindlichkeiten eingehen. Diese Menschen haben stets etwas leicht Aufgekratztes, sind dabei äusserst sympathisch und wirken auch im fortgeschrittenen Alter auffallend jugendlich. Sie haben meist tolle, innovative Ideen und faszinierende Zukunftspläne, kommen damit aber aus unerklärlichen Gründen auf keinen grünen Zweig. Sie lieben es, von Utopia zu schwärmen, rennen jedem Modetrend hinterher und leben scheinbar sorglos in den Tag hinein. Dabei strahlen sie eine Unbekümmertheit aus, die andere neidisch werden lässt.

Dennoch laufen gerade sie Gefahr, durch ihren Hang zur exzentrischen Lebensweise, durch die fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und durch das mangelnde Vertrauen in ihre eigene Identität sich immer mehr von sich selber zu entfernen und so das Eigentliche zu verfehlen.

– 3. Phase –

Der Uranus-Transit

Die innere Unruhe lässt nach und die Lösung der Krise kommt häufig aus einer Richtung, aus der man es nie erwartet hätte. Etwas, womit man sich bis dahin überhaupt nicht identifizieren konnte, wird plötzlich als das Ureigenste erkannt. Manchmal erscheint aber auch die Weiterführung und Umgestaltung des bisherigen Weges plötzlich nicht mehr als glanz- und zukunftslos, sondern als sinnvolle und erfüllende Herausforderung. Denn meist geht es nicht so sehr um die Veränderung im Äussern, sondern vielmehr darum, die innere Einstellung und bisherige Sichtweise zu erneuern und zu erweitern. Was früher imitiert oder einfach übernommen wurde, ist verändert, individualisiert und damit erst zum Eigenen geworden. Das Vertrauen in die eigene Identität, die zentrierte Persönlichkeit, bildet jetzt aber auch das sichere Fundament für die konkrete und erfolgreiche Umsetzung eigener Ideen und neuer Konzepte. Im günstigsten Fall ist auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit gelungen und hat zu einer Aussöhnung mit dem Unvermeidlichen geführt, was in einer bewussteren, reiferen und vor allem auch befreiteren Lebensweise zum Ausdruck kommt.

Gesellschaftliche Ebene

Nachdem alte Strukturen und Werte häufig unwiederbringlich auf dem Al-tar der Erneuerung geopfert wurden, kommt die Phase der Rückbesinnung. Doch das Alte ist vergangen und wird so auch nicht mehr zurückgesehnt, das Neue hat seinen Anfangsreiz längst verloren und meist auch schon viel von seiner Originalität. Nun beginnt die Besinnung auf die Eigenart, auf die Besonderheit. Das Entweder-oder ist überwunden, die Lösung liegt jenseits dieser Polaritäten und meist darin, Bewährtes zukunftstauglich zu machen. Der scheinbar unausweichliche Konflikt zwischen Alt und Neu wird damit überwunden und führt zu sinnvollem Fortschritt und gesunder Erneuerung. Neue wissenschaftliche, wirtschaftliche, politische oder religiöse Theorien, Modelle und Vorstellungen erhalten Akzeptanz und bilden damit die Grundlage für ein neues und erweitertes Weltbild. Neue Werte stabilisieren sich, die Orientierungslosigkeit lässt nach und damit auch die Gefahr einer manipulierbaren, ferngesteuerten Gesellschaft. Die Ausserirdischen sind damit endlich gelandet und manifestieren sich als unsere eigenen Fähigkeiten, Neuland zu betreten, bisher ungenutzte Möglichkeiten wahrzunehmen, Zukunftsweisendes verantwortungsbewusst und kreativ zu gestalten und anstehende Probleme und Aufgaben zu lösen.

Zentrierte Exzentriker

Die Uranier der dritten Phase wirken eher ruhig, strahlen dabei aber viel Lebendigkeit und Humor aus. Egal, ob sie nun traditionelle oder exzentrische Wege beschreiten, sie wirken immer sehr souverän und überzeugend. Sie schwanken nicht mehr zwischen saturnalem Eigensinn und uranischer Rebellion, sondern sind über die Einseitigkeiten hinausgewachsen – sie verbinden Pflicht (Saturn) und Kür (Uranus) in bester Weise. Und weil sie gelernt haben, ihren Ideen zu vertrauen, und auch bereit sind, die Konsequenzen dafür zu tragen, laufen sie nicht mehr Gefahr, durch den Weg in die Exzentrik ihr Zentrum und damit ihre Identität zu verlieren. Sie haben an sich eine Originalität, die man nie mit Absicht erreichen kann, die sich nur aus dem Inneren als ein authentischer Ausdruck des vielfältigen Ichs von selbst entfaltet.

Diesen Menschen ist es gelungen, die scheinbar unüberwindbaren Gegensätze zu vereinigen, indem sie das Paradoxe kreieren: Sie sind frei und ungebunden und gleichzeitig im wahrsten Sinn des Wortes in Ordnung!

Bereiche 1. Phase 2. Phase 3. Phase

Transit-Uranus OPP Uranus

innere Unruhe, Leerlauf, Zweifel, Sinnlosigkeit, Angst, Verunsicherung, Aufbruchstimmung Hektik, Sprunghaftigkeit, Flucht, Aussteigertum, Überreaktionen, Scheinlösungen Befreiung, Gelassenheit, verantwortungsbewusste Freiheit, Kreativität, Reife, Kür, Souveränität, Selbstverwirklichung
(Midlifecrisis) Verunsicherung, Zweifel, Wertezerfall, Instabilität, Infragestellung der wissenschaftlichen, religiösen und wirtschaftlichen Paradigmen schnell wechselnde Trends, Orientierungslosigkeit, Normierungszwang, «Fusionsstreben» und andere Massenbewegungen neues Weltbild etabliert sich, Stabilisierung, neues Wachstum, Bewährtes wird zukunftstauglich gemacht

Gesellschaftliche Ebene

Trägheit, Selbstzweifel, Snobismus, Sonderling, Distanziertheit, Intoleranz, Originalitätszwang, Absonderung, Einzelgängertum «puer aeternus», Sorglosigkeit, Rebellion, Überspanntheit, Experimentierfreude, Freiheitsdrang, Bindungsangst, Unverbindlichkeit Individualität, Originalität Klarheit, Heiterkeit, Freiwilligkeit, Freundlichkeit, Menschlichkeit, Authentizität, Toleranz, «ungebunden in Ordnung»

Der Uranier

zwanghafte Exzentrik

orientierungslose Exzentrik

zentrierte Exzentrik

© by Brigitte Theler