Stier online und Fisch mit Handy:

Zeitzeichen oder die Zeichen in der Zeit

von Brigitte Theler

Einige Zeit ist es nun schon her, seit mit rauschenden Silvesterparties, etlichen bangen Befürchtungen, aber auch überhöhten Erwartungen das neue Jahrtausend eingeläutet wurde. Inzwischen hat die Aufregung um das neue Millennium längst nachgelassen, und wir mussten – je nach Temperament – beruhigt oder besorgt erkennen, dass wir auch im neuen Jahrtausend mit den vertrauten Sorgen und Problemen weiterleben müssen.

Erwartete Apokalypsen sind einmal mehr ausgeblieben, unerwartete Schreckensszenarien haben dagegen stattgefunden, und nach wie vor ist der rasante Zeitbeschleuniger intakt. Das heraufdämmernde Wassermannzeitalter – geprägt von enormem Aufbruchsgeist, immer wieder neuen Technologien, bahnbrechenden Erfindungen, zunehmender globaler Vernetzung, aber auch dem Zerfall traditioneller Werte und plötzlichen, unerwarteten Bedrohungen – bestimmt weiterhin den Zeitgeist.

Vor dem Hintergrund ständig neuer Herausforderungen stellt sich auch aus astrologischer Sicht die Frage, wie es den Menschen mit ihren unterschiedlichen Zeichenprägungen gelingt, sich in die Ansprüche der neuen Zeit einzufügen und welche besonderen Aufgaben ihnen darin zukommen. Dazu die folgende, zugegebenermaßen unvollständige Momentaufnahme!

Eventjäger mit Fitnesspass

Widder-betonten Menschen fällt es nicht schwer, sich mit der zunehmenden Beschleunigung des Alltags zurechtzufinden. Ihrem feurigen Temperament entspricht der Aufbruchsgeist und die Schnelligkeit der Zeit ebenso wie die Kurzlebigkeit und Unverbindlichkeit vieler Projekte und Produkte. Sie kämpfen engagiert und gerne an vorderster Front, und selbst der wieder knallhart gewordene Verdrängungswettbewerb im Berufsalltag schreckt sie wenig. Zudem sind sie im neuen Fitnesswahn die absoluten Platzhirsche, die den sportlichen Wettkampf als Lebenselixier betrachten und das Spiel mit den Muskeln nicht nur auf der Körperebene bestens beherrschen. Mühe dürfte ihnen hingegen die zunehmende Notwendigkeit von Vernetzung und Teamarbeit machen, da sie sich als geborene Einzelkämpfer dadurch oftmals in ihrer Autonomie beeinträchtigt fühlen. Sie hausen grundsätzlich lieber im Einerzelt vor den Toren des globalen Dorfes. Und obwohl sie auch die Spielregeln des modernen Großstadtmenschen beherrschen, ist ihnen die Welt des Archaischen und der Hang zum nackten Überlebenskampf immer noch sehr vertraut. Der Jäger in ihnen ist auch im Hightechzeitalter stets auf der Pirsch – verändert hat sich allenfalls die Beute! In ihrem ausgesprochenen Überlebensdrang liegt denn auch ihre derzeitige Hauptaufgabe. Übergangszeiten brauchen den Mut, neue Konzepte auszuprobieren und sie bei Untauglichkeit auch schnell wieder zu verwerfen. Stillstand ist jetzt das Letzte, was man sich erlauben darf. Denn um auszuruhen oder sich auf Dauer einzurichten, dafür sind die Voraussetzungen noch längst nicht geschaffen und die Umstände noch zu unberechenbar.

Virtuelle Grossgrundbesitzer

Für den Stier-betonten Zeitgenossen – mit seinem eher bedächtigen Lebenstempo, den Hüter der Traditionen und gemütlichen Genussmenschen – ist die von Hektik und Unsicherheit geprägte neue Zeit irgendwie nicht gemacht. Er schätzt das Bewährte und die Routine des Vertrauten und hat angesichts des Schwankens sicherer Werte zunehmend den Eindruck, dass der Boden, auf dem er steht, auch schon mal stabiler war! Die Virtualisierung der Wirklichkeit fordert Stier-geprägte Menschen überdies mehr heraus als alle anderen Zeichen: Sie fassen die Dinge lieber konkret an als sie sich nur geistig vorzustellen. Doch sie haben auch ein verlässliches Gespür dafür, auf welchem Acker man in Zukunft üppig ernten kann. Und so gehörten sie wahrscheinlich nicht selten zu den ersten, die «online gingen», sich eine Homepage einrichteten und damit in der Internetwelt schon frühzeitig virtuelles Land erwarben. Nicht in erster Linie weil sie technisch besonders interessiert wären, sondern weil sie nun mal einen guten Riecher für rentable Geschäfte haben. Ausserdem geniessen sie die niemals dagewesene Fülle an technischen und materiellen Annehmlichkeiten, die sich dem heutigen Menschen bietet ebenso wie das neue Bekenntnis zum Luxus. Mit ihrem Sinn für gewachsene Werte stellen sie aber auch sicher, dass bei allem Umbruchsgeist, Erneuerungsstreben und Technologieglauben Bewährtes nicht unnötig schnell über Bord geworfen wird. Sie sorgen mit ihrer unerschütterlichen Bedächtigkeit für die unerlässliche Bodenhaftung im rasenden Zug Zukunft.

Nomaden online

Die luftigen Zwillinge-Typen fühlen sich im Zeitalter der Kommunikation und des neuen «Nomadentums» ausserordentlich wohl. Sowohl Handyboom als auch E-Mail und Internet sind ganz nach ihrem Geschmack. Ständig und überall erreichbar zu sein, ohne sich dabei an einem festen Ort aufhalten zu müssen, kommt ihrem Bedürfnis nach uneingeschränkter Beweglichkeit ebenso entgegen, wie der Trend zu vielen unterschiedlichen und oftmals auch unverbindlichen Kontakten. Auch zeigen sie sich flexibel auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind die geborenen Allrounder. Mehrere und ständig wechselnde Jobs zu haben ist für sie kein Problem. Mühe bereitet ihnen hingegen, dass vielen der Entwicklungen, die da passieren, mit Logik allein oftmals nicht mehr beizukommen ist. Und so sehr sie sich für alles und jedes interessieren, so wenig Ausdauer zeigen sie bei komplexeren Gedankengängen. Nicht weil ihnen die Intelligenz dazu fehlen würde, sondern vielmehr weil sie sich nicht zu sehr auf eine einzige Sache konzentrieren wollen, um auch die vielen anderen aktuellen Impulse und Informationen als erste aufnehmen und weitergeben zu können. Und gerade in der Hinwendung zum Unmittelbaren und manchmal auch Banalen liegt ihre Aufgabe. So wertvoll und aufregend weltweite Vernetzung und globales Bewusstsein sind, sollte die Aufmerksamkeit auch auf die nahe liegenden Dinge und den direkten Kontakt gelenkt werden. Was nützt der inflationäre Informationsstrom im Cyberspace, wenn darüber der unmittelbare, alltägliche Austausch verstummt? Was nützt es, wenn alle reden, aber keiner mehr zuhört oder versteht, wenn jeder nur noch sendet und keiner mehr empfängt?

Globale Dorfbewohner

Krebs-betonten Menschen ist der neue Zeitgeist eindeutig zu kühl. Dass sich familiäre Strukturen zusehends auflösen und die Wahlfamilie die Blutsbande immer mehr ersetzt, dass unverbindliche Freiwilligkeit anstelle von emotionaler Verpflichtung tritt, behagt ihnen nicht. In der Welt der Gefühle und des Vertrauten bewegen sie sich weit sicherer als im Bereich von Interessensgemeinschaften, lockeren Gruppierungen und anderen Verbindungen auf Zeit. Und auch wenn der Gedanke der weltweiten Vernetzung verheissungsvoll klingt, misstrauen sie ihm, weil ihnen diese wechselnden und oft unpersönlichen Verbindungen weniger liegen und weit unsicherer erscheinen als die eigene Sippe. Andererseits kommt es ihnen sehr entgegen, dass sich dank der neuen Technologien viel mehr Möglichkeiten ergeben, die Geschäfte von zu Hause aus abwickeln zu können, sodass sie sich weit weniger als bisher in die «Feindlichkeit» der Aussenwelt begeben müssen. Auch das wachsende Interesse an emotionaler Intelligenz statt nackter Vernunft, am Sowohl-als-auch statt dem Entweder-oder und am (familien-) systemischen Erkennen statt analytischen Schubladisieren erleben sie als neue Wertschätzung der ihnen angeborenen Qualitäten. In einer zukunftsgläubigen Welt, wo der Blick nach vorn uns scheinbar unabhängig von allem Vergangenen macht, suchen wir gerade in Zeiten äusserer Bedrohung und Verunsicherung sofort wieder das schützende Nest. Wie schnell «Global Players» wieder zu bekennenden Patrioten werden und emotionale Bekenntnisse und nationale Identifikationen wieder aufgewertet werden, hat sich nach den Anschlägen in den USA deutlich gezeigt.

Multimediale Brüller

Die extrovertierten Löwe-betonten Zeitgenossen sonnen sich gerne auf öffentlichen Bühnen, und die allgegenwärtigen Möglichkeiten der publikumswirksamen Selbstdarstellung in den Medien ist für sie daher wie geschaffen. Sie sind die geborenen Entertainer und Showgrössen, die in der heutigen Spassgesellschaft im wahrsten Sinn des Wortes gut lachen haben. Was ihnen allerdings weniger gefällt ist die Tatsache, dass es mit der Exklusivität vorbei ist und im Wassermannzeitalter jeder «Hanswurst» auf die Bühne darf, was den Wert solcher Auftritte natürlich erheblich mindert. So fällt es ihnen auch schwer zu akzeptieren, dass sie heute in den Chefetagen von freakigen Jünglingen und hellwachen Girls Konkurrenz bekommen, die wenig Referenzen, aber umso mehr technisches Knowhow und viele innovative Ideen mitbringen. Für Etikette haben diese erstens weder Zeit noch Sinn und zweitens bewegen sich diese «virtualisierten Löwen» sowieso meist in Cyberwelten jenseits von Rang und Namen. Dennoch spielt das Löwe-Prinzip als Gegenpol zum aufsteigenden Wassermann-Zeichen eine zentrale Rolle. Während Letzteres sich exzentrisch verhält und damit häufig auch «ausser sich» ist, kann das auf das eigene Zentrum orientierte Löwe-Zeichen dazu eine integrative Gegenkraft bilden. Die multiple wassermännische Persönlichkeit ist zwar äusserst kreativ und vielseitig, ihre Schattenseite liegt aber in der Gefahr der Selbstdistanzierung. Der Mensch der Zukunft wird geistige Fähigkeiten entwickeln, die alle bisherigen Grenzen sprengen, aber der Preis dafür wird immer auch das ewige Ringen um die Erhaltung der eigenen Mitte sein. Die technischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte haben uns nach der Maschinisierung der körperlichen nun auch die Maschinisierung der geistigen Arbeit gebracht. Und weil wir vielleicht bereits auf dem besten Weg sind, uns selbst überflüssig zu machen, kann die Löwe-Energie mit ihrem starken Bewusstsein für die eigene Persönlichkeit und die Zentrierung auf den Herzenskern als ausgleichende Gegenkraft zum Wassermännischen der Schlüssel zum wahrhaft integrierten Menschen sein.

Leuchttürme am Cyberstrand

Zwar sind Jungfrau-betonte Menschen verunsichert über die Unberechenbarkeit der Entwicklungen unserer Zeit, aber kein anderes Zeichen versteht es, seine Kräfte so ökonomisch einzuteilen und genau dort einzusetzen, wo es sich auch langfristig lohnt. Im Gewimmel an Informationen und Veränderungen, aufregenden Technologien und raffinierten Spielzeugen behalten sie den notwendig kühlen Kopf. Sie lassen sich nicht so leicht künstlich erzeugte Bedürfnisse aufschwatzen und widerstehen mühelos der Verführung genial beworbener Produkte, von denen sie wissen, dass diese schon morgen wieder auf dem Müll landen, um neuen, noch ausgeknallteren Zeitvertrieben Platz zu machen. Wenn alles orientierungslos und chaotisch erscheint, sind Jungfrau-Typen die zuverlässigen Leuchttürme, die nie den Blick fürs Wesentliche verlieren. Dabei haben sie die Aufgabe, all die Neuerungen mit kritischem Blick auf ihre Machbarkeit hin zu überprüfen und bei allem Streben nach Fortschritt dafür zu sorgen, dass die Wünsche nicht in den Himmel wachsen, sondern in Einklang mit unseren irdischen Möglichkeiten bleiben. Und nachdem die wissenschaftliche Forschung zunehmend auch in mystische Bereiche vordringt, wo die bisherige Logik an ihre Grenzen stösst, wird es nicht mehr allzu lange dauern, bis ein neuer Schulterschluss zwischen Rationalem und Irrationalem, zwischen Messbarem und Feinstofflichem, zwischen Wissenschaft und Spiritualität vollzogen wird. Vor diesem Hintergrund wird das bisher eher stiefmütterlich behandelte Jungfrau-Zeichen – ebenso wie das Fische-Zeichen – im neuen Bewusstsein mit seinem Sowohl-als-auch aus der bisherigen Polarisierung des Entweder-oder treten und insgesamt eine starke Aufwertung erleben!

Digitalisierte Ästheten

Die Stärke von Waage-betonten Menschen ist bekanntlich ihre sprichwörtliche Ausgeglichenheit und grosse Anpassungsfähigkeit. Die kommt ihnen nun in diesen unbeständigen Zeiten sehr entgegen. Auch das Kommunikationszeitalter mit seinen Verbindungen und dem Austausch auf allen Ebenen ist für sie keine neue Herausforderung, sondern entspricht ihrem kontaktfreudigen Grundnaturell. Wo immer die Technik zudem Möglichkeiten schafft, das unvollkommene Natürliche durch das vollkommene Künstliche zu ersetzen, haben sie keine grossen Berührungsängste, sondern empfinden die Ästhetisierung als echten Gewinn. So gewinnt das künstlich Schöne durch die Fülle an neuen Materialien, Farben und Formen immer mehr an Boden, was sich in den letzten Jahren auch in einem geradezu inflationären Deko-Boom äusserte. Wenn innerlich und um uns herum schon vieles im Argen liegt und «stinkt», schmücken wir es wenigstens mit Leuchtketten und bunten Windspielen! Schwerer tun sich die Waage-Betonten mit den härter gewordenen Regeln – nicht nur im beruflichen Alltag –, denn es fehlt ihnen gelegentlich am nötigen Biss, um sich im zunehmenden Verdrängungswettbewerb zu behaupten. In dieser dynamischen Epoche gibt es keine Zeit, allzu lange abzuwägen, und wer zaudert und zögert – eine nur allzu bekannte Waage-Schwäche –, den bestraft bekanntlich das Leben. Selbst in so ursprünglichen Waage-Domänen wie Freizeit und Vergnügen geht es nicht mehr um Freude, Entspannung und Musse, sondern immer mehr um Leistungsdruck und Erlebniszwang, die hier ebenso Einzug gehalten haben wie in der Arbeitswelt. Echte Begegnungen, die Menschen nicht virtuell, sondern in Wirklichkeit zusammenführen, Orte der Begegnung schaffen und Musse um der Musse willen zelebrieren – all dies sind heute grosse Aufgaben der Waage-Geprägten.

Schamanen der Neuzeit

Menschen mit Skorpion-Betonung stehen neuen Entwicklungen immer erst einmal misstrauisch gegenüber. Da sie eher für das Tiefgründige und Hintergründige zuständig sind, verpönen sie das in ihren Augen grenzenlos Oberflächliche und Vordergründige unserer Zeit. Auch finden sie die überall zur Schau gestellte Wichtigkeit von Unwichtigem ebenso lächerlich wie den hemmungslosen und meist peinlichen Seelenstriptease auf allen Fernsehkanälen sowie jede Form von organisierter kollektiver Emotionalität. Solche Belanglosigkeiten haben für sie nicht einmal mehr voyeuristischen Unterhaltungswert. Was sie dagegen zutiefst fasziniert ist die Fähigkeit des heutigen Menschen, gigantische Energien freizusetzen und zu nutzen und dadurch in natürliche Prozesse manipulativ einzugreifen. Weil sie mehr als andere die Gefahren spüren, die mit Atomkraft und Gentechnologie verbunden sind, mögen sie diese Entwicklungen zwar ablehnen, aber ganz gewiss sind sie fasziniert von den Möglichkeiten, die sich dadurch bieten. Denn Macht und Kontrolle über Dinge zu erlangen, die bisher als Tabu oder unerreichbar galten, entspricht ihrer faustischen Natur. Sie sind die Schamanen der Neuzeit, sie können durch ihre oftmals unbequeme, aber tiefgründige Wesensart auch in unserer hochtechnisierten und zukunftssüchtigen Zeit die Verbindungen zu den archaischen Kräften und zur Welt der Magie aufrechterhalten und dadurch der zunehmenden Verflachung einer spasssüchtigen Gesellschaft entgegenwirken. Und statt nur easy auf dem Zeitgeist zu surfen, besteht ihre Aufgabe darin, in der Tiefe zu schürfen, indem sie immer wieder den Finger auf die wunden Punkte legen und gerade dorthin schauen, wo andere lieber light und easy darüber hinwegsehen. Gefragt sind sie überall, wo die Gesellschaft an Leichtsinn und Oberflächlichkeit krankt. Ebenso erweisen sie sich sowohl bei menschengemachten Katastrophen als auch bei persönlichen Schiffbrüchen als belastbare, engagierte und beherzte Krisenmanager.

Gläubige Fusionisten

Schütze-betonte, weltoffene Menschen haben die Eigenschaft, allen Zeiten immer das beste abzugewinnen. Die unglaubliche Mobilität des heutigen Menschen, die neuen Kommunikationsmöglichkeiten, die alle Entfernungen schrumpfen lassen, sowie der weltumspannende Raum des Internets sind ganz nach ihrem Geschmack. Visionen von Weite beflügeln ihr Denken, und die Aufhebung einschränkender Grenzen jeglicher Art bedeutet für sie wahre Freiheit. Dass zudem dank Fusionen, Börse und Internet die Möglichkeit gegeben ist, alle bisherigen Maximen zu sprengen, lässt ihren angeborenen Expansionsdrang übersprudeln. Über die Tatsache, dass sich dieses Märchen zunehmend auch andersherum abspielt, sehen sie nicht selten mit schützehafter Grosszügigkeit hinweg. Was sie beunruhigt, ist der zunehmende Zerfall moralischer Werte und die Tatsache, dass in dieser schnelllebigen Zeit die Sinnfrage immer häufiger auf der Strecke bleibt oder gar nicht erst gestellt wird. Dennoch sind sie die geborenen Hoffnungsträger, und selbst wenn es zwischendurch kaum noch Grund zu Optimismus gibt und bisherige Überzeugungen erschüttert werden oder gar zusammenbrechen (Pluto in Schütze), glauben sie unerschütterlich an das Gute im Menschen. Die Akzeptanz unterschiedlichster Werte und Glaubenssysteme sowie ein globales Bewusstsein, welches spaltender Engstirnigkeit Toleranz und Grosszügigkeit entgegensetzt, sind wesentliche Beiträge, die sie in dieser Zeit leisten können. Ihre Aufgabe liegt denn auch darin, selbst in schwierigen Zeiten die Vision einer besseren Welt aufrechtzuerhalten und vor allem auch den Glauben und die Hoffnung, dass in diesem oftmals irren Zug Zukunft, in dieser immer bedrohlicher und unsicherer werdenden Welt dennoch jemand schützend die Hand über uns hält.

Gipfelstürmer mit Bodenhaftung

Menschen mit Steinbock-Betonung im Horoskop haben keine einfache Rolle in unserer Zeit. Alles, worauf sie bisher gebaut, gesetzt und vertraut haben, alle Ziele, die bisher erstrebenswert schienen, scheinen plötzlich ins Wanken zu geraten. In einer Zeit, in der Strukturen ständig verändert werden und Richtlinien und Werte ein immer kürzeres Verfallsdatum haben, kennt sich der Steinbock-Typ oftmals nicht mehr aus. Womit er sich in dieser Zeit leicht tut, sind die hohen Leistungsanforderungen, die inzwischen wieder überall gesetzt werden. Müssiggang war noch nie seine Sache, und deswegen kann er auch mit den Härten auf dem Arbeitsmarkt entsprechend gut umgehen, da er persönliche Bedürfnisse gut zurückstellen kann, selbstverantwortlich handelt und sich zudem auf die harten Spielregeln der neuen Leistungsgesellschaft leicht einstellt. Seine Aufgabe liegt darin, das Bewährte und Strukturierte dem Kurzlebigen und Chaotischen entgegenzuhalten. Wichtig wird es dabei für ihn sein, sich nicht in die Rolle des Spielverderbers drängen zu lassen, der all den rasanten Entwicklungen und gesellschaftlichen Erneuerungen mahnend und skeptisch gegenübersteht. Vielmehr sollte er sich darauf konzentrieren, der Zukunft einen stabilen Boden zu verschaffen, indem er sich dafür einsetzt, dass nicht nur Neues produziert, sondern auch Bewährtes zukunftstauglich gemacht wird. Und seit die äusseren Unsicherheiten zunehmen, rückt man nicht nur im privaten Bereich wieder enger zusammen, sondern erkennt und schätzt auch vermehrt die Bedeutung und den Wert des Staates als struktur- und schutzgebenden Faktor. Der Staat kann aber letztlich nur dann gesund funktionieren, wenn die einzelnen Mitglieder sich selbst als aktiven und gestaltenden Teil erkennen und somit auch bereit sind, selbstverantwortlich Pflichten und Aufgaben zu übernehmen.

Netz-Spinner

Menschen, die vom Zeichen Wassermann geprägt sind, müssten auf der momentanen Zeitströmung mit geradezu himmlischer Leichtigkeit surfen und sich dabei wie die neuen Narrenkönige fühlen. Tatsächlich scheint ihre Zeit gekommen zu sein, wenn die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der virtuellen, künstlichen Welten allmählich die so «unperfekte, begrenzende» Wirklichkeit ersetzen, wenn immer mehr Medien uns die Möglichkeit der «Anteilnahme ohne Anwesenheit» bieten. Doch Wassermann-Geprägte haben ebenso wie alle anderen Zeichen mit gewissen Entwicklungen ihre Mühe. Denn wenn schon die Grossmutter im Netz surft, der Vater mit zur Raveparty will und Hinz und Kunz an Ausserirdische glauben, laufen sie Gefahr, ihre so geliebte und stets angestrebte Rolle als Avantgardisten und Querdenker bereits wieder zu verlieren. So unterstehen sie gerade in diesen verrückten und unberechenbaren Zeiten dem ständigen Stress der Exzentriker, stets noch durchgeknallter aus der – von ihrer Warte aus konventionellen und genormten – Reihe zu tanzen. Was ihnen bleibt, ist hier, wie immer, die Gegenströmung. Und so legen gerade diese Zeitgenossen bisweilen eine Traditionalität und Nostalgie – etwa in Kunst und Mode – an den Tag, die ansonsten gerne mit anderen Zeichen in Verbindung gebracht werden. Doch genau aus dieser Verweigerung gegenüber Neuerungen, die längst zum Massenphänomen geworden sind, ziehen sie ihr Gefühl der Einzigartigkeit. Dennoch liegt ihre Aufgabe mehr denn je im Glauben an Utopia – und damit im vorausschauenden, visionären Blick und im Entwerfen neuer, menschengerechter Zukunftsmodelle, damit die begonnene, vernetzende Entwicklung nicht plötzlich auf Abwege gerät und sich im wahrsten Sinn des Wortes im eigenen Netz verfängt!

Spirituelle Transmitter

Menschen mit Fische-Betonung nehmen «Strömungen» von Natur aus sehr unmittelbar wahr und reagieren höchst sensibel auf Strudelbildungen, Stromschnellen oder subtile Unterströmungen. So scheint ihre empfindsame Natur dieser unbeständigen, rauhen Zeit wenig entgegenhalten zu können. Doch gerade in Zeiten ständiger Richtungsänderungen und unberechenbarer Entwicklungen kommt man mit medialem Spürsinn und intuitiver Vorwärtsbewegung oftmals weiter als mit logischem Denken und strategischer Planung. Wer einen Sinn für die feinen Zwischentöne hat, erkennt, dass das Interesse für spirituelle und irrationale Themen längst nicht nur in der zeitgenössischen Kunst, sondern auch in allen anderen Medien ihren Ausdruck gefunden hat. Und was noch zu Zeiten reiner Wissenschaftsgläubigkeit eher als Schwäche gewertet wurde, entpuppt sich – seit Chaostheorie und schwarze Löcher bisherige Ansichten auf den Kopf gestellt haben – mehr und mehr als äusserst zuverlässiger Kompass. Dennoch fühlen sich Menschen mit Fische-Betonung nach wie vor oft heimatlos in dieser Welt und erleben bei aller globalen Vernetzung die zunehmende Vereinsamung inmitten der Massen. Auch leiden sie darunter, dass durch die gnadenlose Vertreibung der Stille meditativer, kontemplativer Rückzug immer schwieriger wird und es tüchtigen Zeitgenossen gelungen ist, selbst die Mystik gewinnbringend zu vermarkten. Trotz allem besteht ihre Rolle mehr denn je darin, Vermittler zwischen den Welten zu sein und Räume zu schaffen, in denen Stille Platz hat, Innenwelten sich erschliessen und Subtiles wahrgenommen werden kann, während draussen der Lärm weiter zunimmt, weil die Welt immer wieder aufs Neue aufgebrochen, umgebaut oder gar künstlich neu erschaffen wird.

© by Brigitte Theler